Gedanken für das Jahr 2022

Vielleicht ging es unseren Gründungsmitgliedern anno 1817 ähnlich, wie uns heute mit Corona. Jeder spielte daheim mit seinem Instrument vor sich hin. Aber trotzdem hat etwas ganz Entscheidendes gefehlt - das gemeinsame Musik machen. Denn im Gegensatz zu Gitarre und Klavier, gehören Trompete, Klarinette und Co einfach gemeinsam auf die Bühne. Das haben unsere Vorfahren vor 205 Jahren auch schon gewusst und deshalb kurzerhand den Musikverein gegründet.

Genau davon können wir uns heute eine dicke Scheibe abschneiden. Statt das Instrument an den Nagel zu hängen und Trübsal zu blasen, haben sie "gemacht statt geredet". Sie trafen sich im Wirtshaus, packten ihre Instrumente aus und legten einfach los. Da ging es nicht darum, dass man ein Konzert auf höchstem Niveau spielt, viele Punkte beim Wertungsspiel abräumt, oder die größte Kapelle im Umkreis ist. Es ging darum, dass jeder Musiker Spaß an der Musik hat. Falsche Töne hier und da, ein vergessenes Piano oder Forte im Trio. Das alles war gar nicht so wichtig. Hauptsache die Musikanten hatten ihre Freude. 

Seit damals ist viel passiert. Die Instrumente wurden immer besser, die Ausbildung von jungen Musikanten und Dirigenten hat eine unglaubliche Qualität erreicht. Statt dem "Egerländer Furhmannsmarsch" liest man "Kasierin Sissi" und "Auf Adlers Schwingen" auf dem Programm. Alle Zeichen stehen auf größer, schneller, weiter.

Gleichzeitig klagen aber immer mehr Vereine über Nachwuchssorgen. Viele Kinder und Jugendliche lernen zwar ein Instrument, aber bis zur Stammkapelle halten nur die wenigsten durch. Was die Probenstatistiken betrifft, sinken die Anwesenheitsquoten in vielen Vereinen seit Jahren. Immer häufiger nehmen sich Musiker "Auszeiten" bei einem Konzert oder einer Festzeltaison.

Das alles sollte uns Musikvereinen zu denken geben. Vielleicht müssen wir uns wieder mehr auf den eigentlichen Zweck unserer Vereinsarbeit konzentrieren. Die Musik soll den Mitgliedern Spaß machen, sie müssen vom stressigen Alltag abschalten können. Es geht um Kameradschaft und Gemeinschaftssinn. Vielleicht müssen wir auch den Eltern wieder klarmachen: Ein Musikverein ist kein einfacher Dienstleister, wie eine Musikschule. Hier geht es nicht darum, die Kinder für zwei Stunden die Woche zu beschäftigen. Bei uns lernen sie Solidarität, Rücksichtsnahme und Verantwortung. Das funktioniert aber nur, wenn auch die Eltern mit uns an einem Strang ziehen.  

Diese Herausforderungen hat Corona noch einmal verstärkt. Vielleicht geht das Leben im Lauf von 2022 wieder seinen gewohnten Gang. Wenn es soweit ist, wünschen wir allen Musikvereinen einen guten Start aus dieser schweren Zeit heraus. Macht es wie unsere Gründungsväter: Seid mutig, geht euren Weg und schaut nicht zu sehr darauf, wie es andere machen. Denn der wertvollster Schatz sind EURE Musiker. Und den muss man bewahren.